Inkontinenz - Ein Tabuthema

Inkontinenz ist weiter verbreitet, als man zunächst vermuten möchte. Alleine in Deutschland sind etwa 10 Millionen Menschen betroffen, wobei die Dunkelziffer noch weit höher liegen wird. Es gibt keine verlässlichen Zahlen, da die Inkontinenz in unserer Gesellschaft leider immer noch tabuisiert wird. Das führt meist dazu, dass vor allem junge Menschen sich dieses Körperdefizit nicht eingestehen und erst, wenn der Leidensdruck zu groß wird und die Inkontinenz sich nicht mehr verbergen lässt, zum Arzt gehen. Bei den über 80-jährigen ist die Inkontinenz der häufigste Grund für die Einweisung in ein Pflegeheim.

Inkontinenz ist behandelbar.
Erfahrene Ärzte werden nach einer genauen Diagnosestellung die richtige Behandlung empfehlen.


Formen der Inkontinenz

Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz)

Die häufig verwendete Bezeichnung Stressinkontinenz bezieht sich auf das englische Wort Stress, das dort für Belastung – besonders körperlicher Art – steht und nicht wie im Deutschen nur einen außergewöhnlichen psychischen Druck bezeichnet. Da der Begriff leicht zu Missverständnissen führen kann, wurde er in den letzten Jahren durch den präziseren Ausdruck Belastungsinkontinenz ersetzt. Bei einer Belastungsinkontinenz löst der erhöhte Bauchinnendruck durch körperliche Belastung/Anstrengung, Pressen aus den verschiedensten Gründen wie z. B. Heben, Tragen, sich Vorbeugen, Treppensteigen, Lachen, Husten, Niesen den mehr oder weniger ausgeprägten Harnverlust aus. Es werden drei Schweregrade unterschieden:

1. Grad: Inkontinenz z.B. beim Husten, Niese
2. Grad: Inkontinenz z.B. bei abrupten Körperbewegungen, beim Aufstehen, Hinsetzen
3. Grad: Inkontinenz z.B. bei unangestrengten Bewegungen, im Liegen
Die Belastungsinkontinenz ist bei Frauen oft Folge mehrfacher Spontangeburten, die zu einer Überdehnung und Erschlaffung von Haltebändern und Beckenboden führen. Daraus resultiert eine Senkung (Descensus) der Organe des kleinen Beckens. So kann bei erhöhtem Bauchinnendruck dieser Druck nicht mehr als Verschlussdruck die Harnröhre erreichen, wohl aber noch in voller Stärke die Harnblase. Beim Mann dagegen ist diese Form der Inkontinenz meist Folge einer traumatischen Schädigung des äußeren Blasenschließmuskels durch Operationen oder Unfälle.

Dranginkontinenz (Urge-Inkontinenz)

Der nicht unterdrückbare imperative Harndrang führt zum Urinverlust, bevor die Toilette erreicht ist. Dies kann verschiedene Ursachen haben:
Sensorische Dranginkontinenz: Hier ist die Wahrnehmung der Blasenfüllung im Sinne eines vorzeitigen Füllungsgefühls, etwa durch eine Entzündung, durch Blasensteine oder Obstruktion der ableitenden Harnwege, gestört.
Motorische Dranginkontinenz: Hier sind die efferenten Nervenimpulse zum Musculus detrusor (der für die Entleerung zuständigen Harnblasenmuskulatur) enthemmt, was zu einer vorzeitigen, manchmal krampfartigen Detrusor-Kontraktion führt.
Giggle-Inkontinenz (Enuresis risoria): Die Giggle-Inkontinenz oder auch Kicher-Inkontinenz genannt, stellt eine Sonderform der Dranginkontinenz dar. Dabei tritt unkontrollierter Urinverlust bei kräftigem Lachen auf, das aber klinisch nur schwer festzustellen ist. Diese doch recht seltene Form der Dranginkontinenz wird überwiegend bei Mädchen beobachtet, bei Jungen oder gar bei Erwachsenen ist diese Inkontinenzform bis jetzt so gut wie nie beobachtet worden. Die Ursache ist ein Defizit der zentralnervösen Hemmung auf den Miktionsreflex.
Die Dranginkontinenz kann Folge von Entzündungen der unteren Harnwege (Harnblase, Harnröhre), von obstruktiven (einengenden) Veränderungen wie z. B. Harnröhrenstrikturen, gut- bzw. bösartigen Prostata-Vergrößerungen oder auch von neurologischen Störungen wie z. B. Demenzerkrankungen sein.

Mischinkontinenz

Vor allem bei Frauen treten in einigen Fällen die typischen Symptome von Belastungs- und Dranginkontinenz gemeinsam auf. Die Patienten verlieren dabei unwillkürlich Urin beim Husten, Niesen, Lachen oder Heben von Gegenständen. Dabei leiden sie gleichzeitig unter einem häufigen, kaum unterdrückbaren Harndrang. Meistens ist bei der Mischinkontinenz eine der beiden Formen besonders stark ausgeprägt. In 37 Prozent der Fälle dominiert dabei die Belastungsinkontinenz. Die Mischinkontinenz ist bei Frauen mit 29 Prozent die zweithäufigste Form einer Harninkontinenz. Sie macht sie häufig zu Beginn nur in Form einer Reizblase bemerkbar, bei der nur wenige Tropfen Urin verloren werden.
Überlaufinkontinenz
Die Überlaufinkontinenz (auch: Inkontinenz bei chronischer Retention) entsteht durch eine ständig übervolle Harnblase infolge von Abflussstörungen. Da der Binnendruck schließlich den obstruktiven Verschlussdruck übersteigt, kommt es zum ständigen Harnträufeln.
Ursache der Überlaufinkontinenz ist meist die gutartige Prostatavergrößerung, seltener hochgradige Verengungen (Strikturen) der Harnröhre. Aber auch neurologische Erkrankungen mit einer Erschlaffung des Musculus detrusor, wie sie im Rahmen einer Polyneuropathie bei chronisch schlecht eingestelltem Diabetes mellitus oder als Folge einer lower motor neuron - Läsion (LMNL, siehe bei Reflexinkontinenz) auftreten kann, können zur „Überlaufblase“ führen.
Sehr häufig kommt es im Gefolge einer Überlaufblase zu einem Rückstau des Urins in die Harnleiter und die Nieren mit der Gefahr einer zunehmenden Niereninsuffizienz (Funktionsverlust der Nieren) bis hin zur Urämie (Harnvergiftung).

Reflexinkontinenz

Die Reflexinkontinenz entsteht durch eine Störung oder Zerstörung der vom Gehirn ausgehenden Hemmungsbahnen und damit zu einem Überwiegen der Aktivitätsimpulse des Reflexbogens zwischen Harnblase und Blasenzentrum im Kreuzteil des Rückenmarks (S2 - 4). Diese führen zu reflexartigen Detrusor-Kontraktionen mit Harnabgang.
Ein solcher Zustand tritt beispielsweise etwa nach einer Querschnittslähmung oberhalb des Blasenzentrums aus (UMNL, upper motor neuron lesion). Degenerative zentralnervöse Veränderungen, etwa bei Demenzkranken können den gleichen Effekt zeigen. Bei der LMNL (lower motor neuron lesion) tritt dagegen eine schlaffe, völlig denervierte Blase mit Überlaufinkontinenz auf.

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